Das Energieforum wird 10 - die EGU feiert mit!

Professor Quaschning wird in Miltenberg seine Vorstellungen der Energiewende am Untermain vorstellen (s.u.)


Wo? Altes Rathaus Miltenberg - Hauptstrasse!!

Hier der geplante Ablauf:

Donnerstag 16.03.2017:

19:00 Uhr Grußwort 1. Bürgermeister Demel – Ausstellungseröffnung
Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden KH Paulus
Vortrag Prof. Quaschning

Sektorenkopplung - Chancen der Energiewende für die Industrieregion Untermain

Energieexperte Prof. Volker Quaschning erklärt wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen wird.

Volker Quaschning vertritt die Auffassung, dass die Energieversorgung für eine Begrenzung der globalen Erwärmung schnellstmöglich vollständig durch erneuerbare Energien gedeckt werden muss. Mit verschiedenen Szenarien belegt er, dass dies in Deutschland bereits bis 2040 erreichbar wäre. In der Kernenergie und der Kohlenstoffdioxid-Sequestrierung sieht er keine ernst zu nehmenden Alternativen. Für einen derartigen Umbau der Energiewirtschaft ist nach Quaschning ein breiter Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energien nötig. Speziell in der Solarenergie sieht er dabei große Potenziale. Nach seiner Meinung wird die Photovoltaik in Deutschland bis spätestens 2040 einen Anteil von 25 bis 30% an der Stromversorgung erreichen. Welche Konsequenzen hat der Umbau des Energiesystems auf den Untermain (besonders im Hinblick auf die vielen energieintensiven Gewerbe- und Industriebetriebe)?

20:30 Uhr Fragen - Diskussion
21:00 Uhr Schlusswort Landrat Jens Marco Scherf

Freitag 17.03.2017:

Ausstellung zur Energiewende der Regierung von Unterfranken

9:00 Kommunaler Vormittag

Vorträge
- Energieagentur Unterfranken (kommunales Klimaschutzmanagement)
-Energieagentur Untermain
- Energiegenossenschaft Untermain eG.
- Fotovoltaik und Wärmecontracting der Regierung von Unterfranken (Förderprogramme)

Ab 14:00 Uhr Bürgerinformation

Vorträge
- Förderprogramme
- Solarkataster Untermain www.solarkataster-untermain.de
- Regionale Energiewende – Energiegenossenschaft Untermain

19:00 Uhr Fahrradkino mit Jugendlichen - Film „Tomorrow“

Fahrrad-Kino: TOMORROW - Die Welt ist voller Lösungen!

Ein Film über die Lösungen die wir brauchen, um den globalen ökologischen Kollaps aufzuhalten. Besonders unsere Jugend betrifft dies.

10 Personen erzeugen mit Fahrrädern den Strom für die Vorführung des Films. Jeder darf mitstrampeln bei diesem besonderen Filmvergnügen!

Samstag 18.03.2017:

Ausstellung zur Energiewende

09.00 - 15:00 Uhr Bürgerinformation

Vorträge
- Förderprogramme
- Solarkataster Untermain www.solarkataster-untermain.de
- Regionale Energiewende – Energiegenossenschaft Untermain

Gutscheinaktion: Regionale Zukunft schenken!

Suchen Sie eine wirklich sinnvolle und nachhaltige Geschenkidee?

Verschenken Sie doch Anteile an der EnergieGenossenschaft Untermain (EGU)!

Genossenschafts-Anteile können in 100-Euro-Schritten gezeichnet werden. Die EGU investiert konsequent in die regionale Energiewende und unterhält z.Zt. bislang Projekte aus den Bereichen Photovoltaik, Windkraft und Biomasse (Dorf-Nahwärmenetz mit heimischen Hackschnitzeln).

Kontaktieren Sie uns per Mail oder Telefon (unser Büro ist immer mittwochs von 14-17 Uhr besetzt). Die Gutscheine werden dann individuell ausgefüllt und schnellstmöglich (noch vor Weihnachten!) versandt.

stahl@energiegenossenschaft-untermain.de
oder T: 09374 97 97 077

Tesla goes Untermain!

Wann:_15.02.2017 ab 19 Uhr

Wo:_Stadthalle Aschaffenburg / Raum Dalberg

Die Energiegenossenschaft Untermain und Tesla informieren über die Elektromobilität, Mitgliedschaft in der Genossenschaft und regionale Stromtarife.

Probefahrt in einem Tesla-Taxi zu gewinnen!!

  • Der Eintritt ist frei, Anmeldung nicht erforderlich -
Preisverleihung: Wir suchen die Ältesten....

vrnl: Thomas Pollakowski (EGU), Bertold Ort (2. Preis, Bürgstadt), Johannes Oswald (1. Preis, Miltenberg), Karlheinz Paulus (EGU), Martina Römmelt-Fella (EGU, Wolfgang Thielke (3. Preis, Amorbach) bei ertragreichem Sonnenschein vor dem Alten Obstkeller in Mönchberg


Johannes Oswald hat die Älteste

Preisverleihung der Energiegenossenschaft Untermain für die älteste PV-Anlage der Region

Immer noch wird von Skeptikern der Einwand gebracht, dass Photovoltaik-Anlagen bei ihrer Herstellung mehr Energie verbrauchen, als sie jemals wieder selber erzeugen könnten. Diese Behauptung wollte die Energiegenossenschaft Untermain entkräften. Die so genannte energetische Amortisation liegt, je nach verwendetem Modultyp, bei 1,5 Jahren bei den in der Herstellung und im Ressourcenverbrauch sehr effizienten Dünnschichtmodulen und bis zu 5 Jahren bei monokristallinen Modulen, die wesentlich aufwändiger produziert werden müssen.

Nachdem schon seit vielen Jahren auf unzähligen Dächern der Region blaue oder schwarze Solaranlagen schimmern, wollten es die Genossen genau wissen: wo ist die älteste noch funktionierende PV-Anlage? Zu diesem Zweck wurde ein Wettbewerb gestartet, auf dessen Plakaten ein freundlich lächelndes älteres Paar stolz ein Foto seiner Anlage in die Kamera hält. Die Aufforderung lautete ‚Wir suchen die Ältesten!‘ Und gemeint waren natürlich die ältesten PV-Anlagen der Region.

Gesucht wurden noch in Betrieb befindliche Anlagen ab einer Mindestgröße von 500 W/p. Damit waren lediglich winzige Inselanlagen ausgenommen, die nur aus ein paar Modulen bestehen, um z.B. einen Campingwagen oder eine Weinberghütte zu beleuchten.

Die Genossen staunten nicht schlecht, als die ersten Reaktionen kamen. Anlagen von den frühen 2000 Jahren gibt es noch eine ganze Menge in der Region. Da in 2000 das erste Stromeinspeisegesetz in Kraft trat, das jede Kilowattstunde noch mit über 50 Cent vergütete, wagten Pioniere den Einstieg in diese damals noch recht teure Technologie. Offensichtlich hat sich dieses Risiko gerechnet!

Photovoltaikstrom so günstig wie noch nie

Aber es gab auch noch Mutigere: Johannes Oswalds Sieger-Anlage wurde 1996 noch vor der Einführung einer Einspeisevergütung in Betrieb genommen. Die für damals geradezu gigantische Anlage umfasst 42 Solarpaneele, die eine Spitzenleistung von 5 KW erzeugen können. 18 Module wurden auf ein futuristisches, der Sonne nachgeführtes Gestell montiert, der Rest kam auf das Firmendach. Heute kann das Dach eines durchschnittlichen Einfamilienhauses locker eine solche Leistung mit 20 kompakten Modulen aufnehmen. In 1996 musste man damals noch über 1000 DM für ein Modul von gerade mal 120 Watt Leistung bezahlen, pro Watt Leistung bezahlte Oswald also über 4 €. Heute liegen die Kosten für 1 Watt Leistung bei 0,4-0,6 €, also um fast 90 Prozent günstiger. Die Vergütung des erzeugten Stroms ist genauso stark gesunken. Heute ist es wirtschaftlicher den erzeugten Strom direkt vor Ort zu verbrauchen, da je nach Anlagengröße und Standort nur noch 7 – 12 Ct pro erzeugter Kilowattstunde vom jeweiligen Netzbetreiber bezahlt.

Die Energiegenossenschaft wies bei der Preisverleihung darauf hin, dass es sich auch heute noch lohnt, Fotovoltaikanlagen auf Dächern zu montieren, egal ob der gewonnene Strom nun selbst verbraucht oder ins Netz eingespeist wird. Auch Speicherlösungen werden zunehmend günstiger, so dass sich auch diese Form der Energieerzeugung bald rechnen wird. EGU Vorstand Römmelt-Fella appellierte in diesem Zusammenhang an alle Hauseigentümer, Unternehmen und Kommunen im zentralen Solarkataster der Region zu prüfen, ob eigene Dächer zur solaren Nutzung geeignet seien. Freilich wird die Kraft der Sonne nicht den kompletten Energiebedarf der Region decken können, hierfür wird auch die Nutzung von Wind, Biomasse und Wasserkraft nötig sein, sie ist aber ein wichtiger Baustein der dezentralen Energiewende.“ Der Gewinner des Wettbewerbs, Johannes Oswald aus Miltenberg, konnte bei der Preisverleihung einen Gutschein über einen Energiecheck seines Privathauses in Empfang nehmen. Die weiteren Preisträger sind Bertold Ort, Bürgstadt (Anlage von 1998) und Wolfgang Thielke, Amorbach (Anlage von 2000).

Interview mit dem Gewinner des EGU Wettbewerbes

Bild: Die ‚antike‘ PV-Anlage von Johannes Oswald vor der Firmenzentrale in Miltenberg


Interview mit Johannes Oswald, Miltenberg, Preisträger des Wettbewerbes der Energiegenossenschaft Untermain „Wir suchen die ältesten PV-Anlagen der Region“

(Die Fragen stellte die Energiegenossenschaft Untermain bei der Preisverleihung am 28.09.2016 in Mönchberg)

Bitte stellen Sie kurz die Kennzahlen Ihrer Anlage vor.

Installiert wurde die Anlage mit einer Gesamtleistung von 5,04 kWp Ende 1996, seitdem produzierte sie ca. 84550 kWh Strom, wobei seit Inbetriebnahme eine Abnahme der Modulleistung von ca. 20% festzustellen ist. Die Anlage wird – für damalige Zeit eine kleine Sensation - einachsig der Sonne nachgeführt, was ich damals noch ziemlich mühsam selbst programmiert habe.

Was war Ihre Motivation, als Sie damals eine Photovoltaik-Anlage bauten?

Die Technik war neu und faszinierend. Wir waren in der Lage die Anlage zu finanzieren und ich wollte die PV Technik erproben, kennenlernen und demonstrieren. 1996 wie heute speisen wir ausschließlich in unser Firmennetz ein und verbrauchen unseren PV Strom selbst. Wir betreiben unsere Anlagen seit Jahren ohne EEG Förderung, das ist wirtschaftlich möglich und sinnvoll. 2016/17 werden wir voraussichtlich weitere 200 kWp installieren.

Was waren und sind Ihre Erfahrungen: funktioniert die Technik? Ist PV eine nachhaltige Form der Energieerzeugung?

PV Anlagen sind denkbar einfach zu betrieben und wartungsfrei. Sie sind eindeutig eine nachhaltige Art der Energieerzeugung. Jede andere Art der Energieerzeugung ist ungleich viel wartungsintensiver im Betrieb. Nicht nur bei uns, vor allem in Entwicklungsländern werden PV Anlagen mit Batteriekopplung als Inselnetze eingesetzt. So lassen sich fernab leistungsarme Verbraucher wie Lampen und PCs auch ohne Netzanschluss oder Dieseltechnik betrieben.

Sie als 'Energiepionier', wie beurteilen Sie die Anstrengungen der Politik in Sachen 'Energiewende'? Sind das schlüssige Konzepte, die hier verfolgt werden?

Nun, mehr und besser geht immer, doch wir sind auf dem richtigen Weg. Wer, außer einem reichen Hightech Land, wie Deutschland, sollte Vorreiter in grüner Technologie sein? Aktuell haben wir einen erneuerbaren Anteil von 30% an der Stromerzeugung in Deutschland. Technisch ist es nicht ganz einfach die unregelmäßigen Energieangebote der Erneuerbaren in einem Verbundnetz zu „veratmen“. In einem Netz das, dass exakt so viel Energie bereitstellen muss wie gerade verbraucht wird, jede Sekunde! Doch es funktioniert und wir brauchen viele weitere gute Ideen, vor allem aber Mut und Verstand für immer nachhaltigere Ideen und Umsetzungen bei der Energieeinsparungen und Energieerzeugungen.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Sonne!

Wettbewerb! Wir suchen die ältesten.....

.... PV-Anlagen am Untermain.

Machen Sie mit und gewinnen Sie einen der attraktiven Preise!

Bedingungen:

  • Es ist egal ob die PV-Anlage am Netz ist oder als Inselanlage betrieben wird
  • Die PV-Anlage sollte noch in Betrieb befindlich sein
  • Die PV-Anlage sollte über eine Mindestgröße von 500 W/p verfügen

Hier Teilnahmeformular herunterladen und bis zum 1. Mai 2016 an die EGU schicken/faxen/mailen.

Die Preise:

  • 1.Preis: Ein Energiecheck Ihres/eines Hauses durch die Main Energie GmbH (Wert ca. 250 €)
  • 2.Preis: Ein Geschäftsanteil/Mitgliedschaft in der Energiegenossenschaft Untermain (Wert 100 €)
  • 3.-5. Preis jeweils eine Flasche köstlichen Röllfelder Apfelseccos

(der Rechtsweg ist ausgeschlossen)


Unsere Partner der Aktion:

  • Raiffeisenbank Miltenberg eG
  • Sparkasse Miltenberg-Obernburg
  • Energieagentur Untermain
Elektro-Autotausch war voller Erfolg!

Der Vorstand der Energiegenossenschaft Untermain Karlheinz Paulus bedankte sich bei dem Inhaber des Autohauses Carsten Seitz für die Organisation der Tauschaktion


E-Autotausch ein voller Erfolg

27 Mitglieder der Energiegenossenschaft Untermain nahmen die Gelegenheit beim Schopfe und testeten drei verschiedene E-Autos.

In Zusammenarbeit mit Mitsubishi Motors und dem Autohaus Seitz in Obernburg konnte jedes Mitglied für 3 Tage sein Auto tauschen. Über 5.000 km wurden in den letzten 6 Wochen elektrisch zurückgelegt.

E-Mobilität ist ein Stück Zukunft, nachhaltige, geräuschlos und CO2 neutral, wenn mit Öko-Strom gefahren wird. Durch die neue Art der der Mobilität wird die Lärmbelästigung in den Innenstädten deutlich verringert und der Energieverbrauch kann drastisch reduziert werden. Ein ganz neues, faszinierendes Fahrerlebnis erlebten die Teilnehmer, denn nur ein angenehmes, leises Summen und die Windgeräusche sind beim Fahren zu hören.

Ein weiterer unschlagbarer Vorteil ist, das jeder mit den E-Autos zu Hause kostengünstig tanken kann, besonders wenn eigen produzierter Fotovoltaikstrom genutzt wird.

Der Verbrauch liegt mit ca. 15 kWh pro 100 km bzw. 3,15 € deutlich unter den Kosten der Benzin- und Dieselmotoren mit 7 -15 €. Rechnet man die ersparten Wartungskosten (Ölwechsel usw.) noch dazu rechnet sich auch heute schon langfristig ein E-Auto.

Mitsubishi Motors Deutschland stellte einen I-MiEV und einen Plug-in Hybrid Outlander den Mitgliedern für Probefahrten zur Verfügung. Das Autohaus Seitz organisierte kompetent die Einweisung der Testfahrer in die E-Mobiliät.

Glückwunsch! Unsere Beirätin Beatrice Brenner wurde geehrt!

Kontakte zwischen Politik und Unternehmen geknüpft

Auszeichnung: Beatrice Brenner erhält Netzwerk-Preis des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft

Elsenfeld. Beatrice Brenner aus Elsenfeld ist vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) als Polit-Netzwerkerin ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde bei der diesjährigen Bundesversammlung des BVMW an insgesamt 16 von rund 300 Geschäftsstellenleiter in Deutschland verliehen.

Der Verband belohnt damit den für den engagierten politischen Einsatz von Brenner, den sie mit der Betreuung der Verbandsmitglieder verbunden hat. Die 63-jährige Marketingmanagerin ist seit November 2010 Leiterin des BVMW-Kreisverbandes Aschaffenburg-Miltenberg.

Daneben betreut sie auch Unternehmen in einzelnen angrenzenden hessischen Landkreisen. Brenner begann ihre berufliche Laufbahn bei einem Modehersteller in der Schweiz, war lange Zeit bei einem IT-Unternehmen als Marketingmanagerin beschäftigt und gründete 1991 ein eigenes Marketing- und Beratungsbüro, bevor sie die Leitung der BVMW-Geschäftsstelle in der Region übernahm. Ehrenamtlich engagiert sich Beatrice Brenner bei der Energiegenossenschaft Untermain und beim »Marktplatz Gute Geschäfte«.

Verbunden mit der Auszeichnung als Polit-Netzwerkerin ist am kommenden Dienstag ein Besuch des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Berlin, ein Empfang in der Botschaft der USA sowie ein Mittagessen im Deutschen Bundestag. Der BVMW ist parteipolitisch neutral, versteht sich als Interessenvertretung kleiner und mittelständischer Unternehmen und versucht, auf die wirtschafts­politischen Rahmenbedingungen Einfluss zu nehmen.

Das bundesweite BVMW-Netzwerk von 300 Geschäftsstellen sowie eine Vielzahl von Auslandsrepräsentanzen bietet Unternehmen die Möglichkeit einer individuellen Betreuung vor Ort. Am bayerischen Untermain bietet der Verband regelmäßig Veranstaltungen zu aktuellen Themen der Wirtschaft an.

Dazu gehören unter anderem das Unternehmerfrühstück, Round-Tables zu unterschiedlichen Themen, das kreative »Word Café«, AZUBI-Workshops und die beliebte Pecha Kucha Nacht. Bei diesen Treffen können die Teilnehmer untereinander neue Geschäftskontakte knüpfen oder bestehende vertiefen.

Main Echo, Ruth Weitz, 23.2.2016

EGU in der Presse - Main Echo Interview mit Prof. Claudia Kemfert

Frau Professor Claudia Kemfert war zu Gast in Kleinostheim

~ die EGU war Unterstützer des Vortragsabends ~


Eine Bürgerenergiewende

Claudia Kemfert: Vor dem Auftritt am Main wirbt Expertin für dezentrale Versorgung

Claudia Kemfert (46), Professorin an der Hertie School of Governance in Berlin, ist eine bekannte Energieexpertin. Die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält am Dienstag einen Vortrag in Kleinostheim (Kreis Aschaffenburg).

F: Im schönen Mainviereck sorgen Windräder für erregte Debatten. Ich glaube, den Gegnern geht es gar nicht so sehr um Ökologie und Ökonomie, sondern sie befürchten die Verspargelung der Natur. Was entgegnen Sie ihnen?

Man muss genau schauen, wo man Windanlagen installiert, muss die richtigen Gegenden wählen, um den Naturschutz zu wahren. Andererseits stellt sich die Frage nach der Alternative. Wenn wir die Windenergie nicht ausbauen, müssen wir in Deutschland weiter Kohle- und Atomstrom produzieren. Diese Energieformen sind nicht besonders umweltschonend, bringen Tagebau mit sich oder die Lagerung von Atommüll über Jahrtausende. Eine Windanlage hingegen lässt sich relativ schnell abbauen, wenn man sie nicht mehr braucht.

F: Aber warum holt man nicht den ganzen Windstrom von Anlagen im Meer, wo die Räder niemanden stören und der Wind bläst?

Dazu gehören dann auch Stromtrassen - die sind ja auch nicht immer beliebt! Zum Grundsätzlichen: Da sich das Energiesystem komplett verändert und wir uns künftig vor allem dezentral versorgen wollen, müssen wir den Strom auch vor Ort produzieren. Dazu gehören Windanlagen, Solarenergie und Biomasse. Mittelfristig brauchen wir auch mehr Möglichkeiten zur Speicherung von Energie, eine effizientere Nutzung der Energie - etwa bei Gebäuden - sowie ein kraftvolles Energiemanagement. Das funktioniert alles am besten vor Ort. Trotzdem ist die Offshore-Erzeugung von Wind im Meer nötig, um das Ziel der 80-prozentigen Versorgung aus erneuerbaren Energien im Jahr 2050 zu erreichen.

F: Es bleibt das Problem, dass Wind- und Sonnenkraft wenig nutzen, wenn das Wetter nicht passt. Müssen dann weiter schmutzige Kohlekraftwerke einspringen?

Nein, denn zum einen wird die Versorgungssicherheit der erneuerbaren Energien mittels effektiver Steuerung und Speicherung erhöht. Zum anderen können auch Biomasse-Kraftwerke eingesetzt werden, die mit nachhaltigen Abfallstoffen sehr effizient Strom und Wärme herstellen. Biomasseanlagen können rund um die Uhr im Einsatz sein und sogar auch als Speicher fungieren.

F: Wie weit ist die Speichertechnik gediehen?

Es gibt unterschiedliche Speicher. Zum einen Kurzfristspeicher, die sogenannten Pumpspeicherkraftwerke, für die man Wasser und geologische Voraussetzungen braucht. Dann gibt es Batterien, die aber technisch weiterentwickelt werden müssen, um sie großflächiger einzusetzen. Dazu kommen Möglichkeiten flüssiger Speicherung, etwa die Herstellung von Wasserstoff oder Methan durch überschüssigen Strom. Sie können dieses Gas dann nutzen für Turbinen, Industrie, Mobilität, Gebäude. Auch Wärme und Kraftstoffe können längerfristig als Speichermedium wirken.

F: Die Energiewende wird zwar von vielen Bürgern begrüßt - aber nicht, wenn Stromtrasse oder Windrad vor der Haustür entstehen. Sie, Frau Kemfert, wollen die Bürger »mitnehmen«. Aber wie soll das in allen Fällen klappen? Ohne Belastung Einzelner wird es nicht gehen.

Schon heute haben wir ja eine Bürgerenergiewende: Bürger kaufen beispielsweise eine Solaranlage oder schließen sich in Genossenschaften zusammen, um eine Windanlage zu betreiben. So sorgen sie für über 40 Prozent aller Investitionen in erneuerbare Energien. Man sollte sich auch Kommunen anschauen, die sich schon zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie versorgen. Die erreichen das, indem sie eine breite Transparenz schaffen. Sie zeigen auf, dass dadurch Arbeitsplätze entstehen und die Gemeinde insgesamt profitiert.

Aber man muss immer wieder für das Projekt werben und gegebenenfalls über Kompromisse nachdenken, wenn eine Gemeinde einen anderen Weg wählen will. Das kann über Beteiligungen an Projekten an anderen Orten oder über finanzielle Ausgleichszahlungen geschehen.

F: Politiker wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bremsen die Energiewende, wenn sie Wünsche von Windrad- und Stromtrassengegnern unterstützen. Sie sind ja Politikberaterin. Was würden Sie Seehofer raten?

Bayern hat einen vorbildlichen, transparenten Energiedialog geführt. Die politische Umsetzung in Bayern ist allerdings verbesserungswürdig. Es gibt da einerseits viel Solarenergie, andererseits behindert man den Windausbau. Zum Streit über die Stromleitungen ist zu sagen, dass die Pläne zum Leitungsausbau überdimensioniert sind. Wir zementieren mit diesen Kapazitäten das Stromsystem mit einem hohen Kohleanteil im Westen und Osten. Würde man den herunterfahren, könnte man die Trassen für erneuerbare Energien wie Windstrom aus dem Norden verwenden.

F: Man bräuchte die umstrittenen neuen Stromtrassen gar nicht?

Nicht in dem Umfang und nicht in der Eile, die oft ausgerufen wird. Außerdem könnte man die Kabel auch unter die Erde legen. Erdkabel sollen sehr teuer sein. Man ist technisch weiter. Sie sind nicht mehr so viel teurer.

F: Müsste die deutsche Politik nicht stärker an einem Strang ziehen? Dort setzen sich doch wieder Einzelinteressen durch - etwa die Rettung der Kohle-Arbeitsplätze.

Obwohl die Politiker die richtigen Ziele haben und hinter der Energiewende stehen, bleibt am Ende davon nicht viel übrig. Dann wird beispielsweise ein gelungener Vorschlag wie der von Sigmar Gabriel für eine Klimaabgabe für Kohlekraftwerke von allen Seiten zerredet, auch durch Lobbyismus. Das ist sehr schade. Ich würde mir wünschen, dass stärker die positiven Aspekte der Energiewende betont werden. Hohe Kosten sind durch verminderte Energieimporte bereits vermieden worden. Zudem sind viele Arbeitsplätze durch die Energiewende entstanden. Die Energiewende bietet enorme wirtschaftliche Chancen.

Das Interview führte Claus Morhart


Hintergrund: Kemfert am 9. Juni in Kleinostheim

»Energiewende am Untermain - Sind wir auf dem Holzweg?« lautet der Titel des Abends, bei dem die Berliner Wissenschaftlerin Claudia Kemfert sprechen wird. Ihr Vortrag beginnt am Dienstag, 9. Juni, um 19.30 Uhr in der Maingauhalle in Kleinostheim (Kreis Aschaffenburg). Danach ist Diskussion. Der Eintritt zu der Veranstaltung des Energieforums Miltenberg-Aschaffenburg ist frei. Der eingetragene Verein will eine »nachhaltige regionale Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien« erreichen. (C.M.)

EGU in der Presse: Einweihung Nahwärmenetz & Dorfstraße Schmachtenberg

Offizielle Eröffnung der Hauptstraße Schmachtenberg durch die Honoratioren


Main-Echo vom 1. Juni 2015

Mit Dorfheizung fit für die Zukunft

Energiewende: Schmachtenberger Nahwärmenetz funktioniert - Ortsdurchfahrt nach langer Bauzeit wieder frei

Mönchberg. Fast vier Millionen Euro sind investiert, um Schmachtenberg eine gute Zukunft zu ermöglichen: Eine »Dorfheizung« ist Beitrag zur Energiewende, und der Ausbau von 700 Metern Ortsdurchfahrt mit vorherigem Austausch der maroden Versorgungsleitungen war ein Kraftakt von Kommune und Landkreis. Das wurde am Freitag im kleinen Mönchberger Ortsteil zünftig gefeiert.

Am Valentinushaus neben der Kirche trafen sich auf Einladung der Gemeinde Einheimische und viele Ehrengäste, unter ihnen eine ganze Reihe Bürgermeister. Pfarrer Waldemar Kilb rief zum Miteinander und Füreinander auf, bevor er die Segensgebete sprach. Der Gemischte Chor Schmachtenberg unter Leitung von Eva Maria Völker umrahmte die Feier und ließ unter anderem »Alles geht schnell vorüber« hören.

Zwei Jahre lang Baustelle
Ob das auch die Mitbürger so empfunden haben, wagte selbst Bürgermeister Thomas Zöller zu bezweifeln. Denn Schmachtenberg war zwei Jahre lang eine große, staubige, laute Baustelle. Die Wasserleitung von 1896 und der alte, defekte Kanal in der Ortsdurchfahrt wurden ausgetauschtNahwärme-Rohre verlegt, dann folgte der Straßenbau. Die Dorfbewohner hatten einiges auszuhalten, daraus machte der Rathaus-Chef keinen Hehl. Und nicht alle sind nun zufrieden, wie die Plakate an einem benachbarten Haus zeigen. Zöller: »Da wird es wohl ein gerichtliches Verfahren geben.«

Sein Dank galt allen an den Baumaßnahmen Beteiligten; die Energiegenossenschaft Untermain (EGU) habe beim Installieren des umweltfreundlichen Nahwärmenetzes nicht auf große Gewinne geschielt. Für den kommunalen Teil des Projekts entstünden Kosten von 2,9 Millionen Euro, »1,9 Millionen bleiben bei der Gemeinde hängen.« Zöller freute sich, dass Kostenrahmen und Bauzeit eingehalten wurden und betonte: »Wir haben in den ländlichen Raum und in die Zukunft unseres Schmachtenbergs investiert.«

Von der Notwendigkeit, die Leitungen und den 50 Jahre alten Straßenkörper zu erneuern, berichtete Helmut Hufgard vom Ingenieurbüro Jung (Kleinostheim). Bis auf zwei unvermeidliche Engstellen habe die Ortsdurchfahrt jetzt eine Fahrbahnbreite von 5,50 bis 6,15 Meter mit einseitigem Gehsteig. An Übergängen sind die Bordsteine abgesenkt.

Hackschnitzel statt Heizöl
Karlheinz Paulus (EGU) informierte über das Nahwärmenetz: Zentral geheizt werde mit Hackschnitzeln vorwiegend aus dem Mönchberger Wald, 1.5 Kilometer Leitungen zu über 40 Anwesen seien verlegt, dazu kämen 200 Meter im neuen Gewerbegebiet. Die Anlage sei erweiterungsfähig. Zu den Kosten von rund 900 000 Euro habe es 200 000 Euro Förderung gegeben. Paulus: »Mehr als 60 000 Liter Heizöl werden durch die Nahwärme ersetzt und dadurch über 160 Tonnen Kohlendioxid eingespart.« In rund 15 000 Hektar ungenutztem Privatwald sieht er großes Potenzial, die Energiewende in der Region weiter voran zu treiben.

»Auf Neues einlassen«, so der Appell von Landrat Jens Marco Scherf, der Ideengeber, Kümmerer und Mitmacher würdigte. Mönchberg bescheinigte er: »Sie haben in unsere Heimat investiert.« Auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel gratulierte, und Landtagsabgeordneter Hans Jürgen Fahn nannte die Dorfheizung ein Leuchtturmprojekt mit Signalwirkung. »Sie sind ein Vorbild für die Kommunen in der Region!«

Barbara Schmidt

Aktuelle Buchempfehlungen

Hermann Scheer:

Der energethische Imperativ

Prägnant und leidenschaftlich stellt der viel zu früh verstorbene ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. in seinem letzten Buch dar, warum und wie der rasche Wechsel zu Erneuerbaren Energien stattfinden muss. Jedes für den umfassend angelegten und vollständigen Wechsel zu erneuerbaren Energien versäumte Jahr ist ein verlorenes, mahnt Hermann Scheer. Dieser Wechsel ist der letztmögliche Weg, existenzielle Gefahren abzuwenden, die irreversibel werden können, weil es keine andere Möglichkeit zur naturgemäßen und dauerhaften Energieversorgung der Menschen gibt.

Verlag Antje Kunstmann, München 2010, 270 Seiten, 19,90 Euro


Professor Claudia Kemfert

Kampf um Strom: Mythen, Macht und Monopole

Alles im grünen Bereich? Von wegen! Deutschland ist Vize-Exportweltmeister, in Europa übernehmen wir die Schulden der Nachbarländer, und die Bundeskanzlerin gilt als die mächtigste Frau der Welt. Nur die Energiewende will nicht so richtig in Gang kommen. Denn Atomausstieg allein reicht nicht. Und der Umstieg auf erneuerbare Energien ist kompliziert. <...> Claudia Kemfert erklärt uns allen – Bürgern, Politikern und der Wirtschaft – die Energiewende. Jetzt ist die Zeit zum Handeln. Denn die Energiewende hat gerade erst begonnen.

Murmann Verlag, Hamburg 2013, 140 Seiten, 16,90 Euro


Mathias Willenbacher

Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin

Matthias Willenbacher, diplomierter Physiker, Unternehmer, Pionier auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien macht der Kanzlerin ein unmoralisches Angebot zur Energiewende. Gut verständlich und auf den Punkt formuliert erklärt der Autor, wie '100 Prozent erneuerbar' bei uns (und anderswo) funktionieren kann und wie die großen Energieunternehmen und Lobbyisten es geschickt verstehen, mit immer neuen Scheinargumenten die Politik zu beeinflussen und die Bürger zu verunsichern. Ein schweres Thema spannend geschrieben wie ein Krimi. Außerdem ein starkes Plädoyer für Energiegenossenschaften!

Herder Verlag, Freiburg 2013, 160 Seiten, 9,99 Euro


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